
Am Bahnsteig riecht es nach Alk: Klassenfahrt nach Berlin. Der Securitas-Mann sieht auf dem Handy Animes an. Die Kleidung der obdachlosen Person verweist auf bessere Zeiten als cool kid. Als ich einer Person zu Ende erklärt habe, welche Bahn sie nehmen muss, ist meine Bahn weg.
Freudloseste Schokolade der Welt probiert, verachtet und dann doch gegessen (100 % Kakao), Treffen mit jungen Freundinnen als Spaß- und Glücksgarant verifiziert (»Du hast in Yale studiert? Wow, wir haben eine Baddie hier.«), Berlin wieder liebgewonnen, schon wegen der Hater.
Kastanien auf dem Boden bilden ein Zeitportal in die Kindheit. Die Nachbarskatze lässt sich nun ohne Tamtam streicheln. Neukölln ist selbstbewusst am Leben, statt darunter zu leiden, nicht Zehlendorf zu sein. In Berlin weht ein neuer Wind – buchstäblich, nicht metaphorisch.
Ungefragte Nazi-Entenhausen-Zeitung im Briefkasten, unerwartetes Käsegebäck im Paket, unleugbar erwachsenes Geburtstagskind-Kind am Telefon, unaufhörliches Gehetze gegen soziale Politik in Sozialen Medien, Unmengen Herbstmelancholie im Brustkorb. Unbeirrbar Schönes sehend.
Entscheider-Jogger joggen Entscheidendes redend vorbei. Mit Mercedes-Cap auf dem Kopf steigt der Nachbar in den Hybridwagen. Die Bäume schwanken, ob sie ihr Laub wegen Trockenheit oder Herbst abwerfen sollen. Auf die Baustellenabsperrung vor dem Eigenheim wurde »Marx« gekritzelt.