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@hesselmann.bsky.socialSep 24, 2026, 2:47 PM

"Weit entfernt, also, daß der Idealismus etwa Funktion der Vermögenslage wäre, ist eben doch das Leben 'für' die Politik billiger für den besitzenden Parteifreund." #OTD 1946 zitiert der @tagesspiegel.de Max Weber.
Kultur im Blatt und Zitatrubrik: www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Berufspolitiker
Berufspolitiker gibt es von zweierlei Art: solche, die materiell „von" der Partei und dejn politischen Treiben leben: die bezahlten Parteibeamten. Oder solche, die "für" die Politik zu leben durch ihre Vermögenslage
instand gesetzt und durch ihre Ueberzeugung getrieben sind, also ideell ihr Leben daraus bestreiten, wie etwa Paul Singer in der Sozialdemokratie es tat, der zugleich ein Parteimäzen großen Stiles war. Wohl gemerkt: es soll hier nicht etwa dem Parteibeamtentum der „Idealismus" bestritten werden. Mindestens auf der Linken haben umgekehrt gerade die Parteibeamten ganze Scharen von tadellosen politischen Charakteren gestellt, wie man sie in anderen Schichten wenig zu finden vermöchte. Weit entfernt, also, daß der Idealismus etwa Funktion der Vermögenslage wäre, ist eben doch das Leben „für" die Politik billiger für den besitzenden Parteifreund. Gerade dies nach oben und unten ökonomisch unabhängige Element ist innerhalb des Parteilebens höchst erwünscht und wird hoffentlich auch in Zukunft speziell den radikalen Parteien nicht ganz fehlen. Der eigentliche Parteibetrieb ist freilich heute damit allein nicht zu bestreiten: die Masse der Arbeit außerhalb des Parlamentes wird immer auf den Parteibeamten ruhen. Schon wegen ihrer Inanspruchnahme durch den Betrieb sind aber diese Beamten keineswegs immer die gegebenen Kandidaten für das Parlament selbst.
Max Weber
(1864—1920. Aus: „Parlament und Regierung Im
neugeordneten Deutschland", Artikelsammlung aus
der Frankfurter Zeitung, Sommer 1917)
@hesselmann.bsky.socialSep 24, 2026, 2:15 PM

"Was nützen beim Fußball einige hervorragende Einzelkönner?" @tagesspiegel.de #OTD 1946
Mehr Berliner Fußball in der Nachkriegszeit: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Alle Folgen "Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Berlins Fußball-Elf vor ihrer Reise
Die Generalprobe der Berliner Fußball-Elf für ihre Rheinlandfahrt ist nicht nach Wunsch verlaufen. Es hat sich am Gesundbrunnen gegen Zwickau herausgestellt, daß die Spieler von einer Mannschafts-Einheit noch weit entfernt sind. Was nützen beim Fußball einige hervorragende Einzelkönner? Nicht viel, wenn ihnen eine Mannschaft gegenübersteht, die
das Zusammenspiel pflegt und deren Stellungsspiel — eine Vorbedingung zur guten Zusammenarbeit — besser ist. Zwickau
hatte nur wenige hervorragende Könner, aber alle Spieler verstanden sich besser, waren gut aufeinander eingespielt. Und
da im Sturm auch energische und sichere Angreifer standen,
konnten Erfolge nicht ausbleiben. Durch Mittelstürmer
M o e c k e 1 legte Zwickau überraschend drei Tore vor, drei
Tore, die verhältnismäßig leicht errungen wurden. Erst kurz
vor der Pause köpfte Böhm e eine Flanke von rechts zum
ersten Treffer für Berlin ein."Nach dem Seitenwechsel kam
Berlin stark auf, es gab aufregende Szenen im Zwickauer Strafraum — aber das nächste Tor schoß ö 111 e r für Zwickau. Nach
dem Spielverlauf konnte Zwickau den Kampf kaum noch verlieren, besonders da der Gast in Huber einen sehr sicheren
Mann im Tore hatte. Huber wurde nur noch einmal bezwungen,
als der junge W e n z k e einei schöne Flanke von Böhme einköpfte. Bei 4 : 2 für Zwickau blieb es, und die 10 000 Zuschauer
waren wohl mit dem Verlauf des Kampfes, nicht aber mit der
Gesamtleistung d^r Berliner Elf zufrieden.
Die gleiche Elf Berlins fährt morgen mit einigen Ersatzleuten
nach dem Rhein, wo sie in Stadthagen, Düsseldorf und Bonn
spielen wird — ob mit Erfolg, bleibt abzuwarten.
@erikreger.bsky.socialSep 24, 2026, 2:04 PM

"Der Nominelle...", @tagesspiegel.de #OTD 1946.
Mehr zum Thema "Entnazifizierung" und deren Ausbleiben: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Alle Folgen "Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Der Nominelle hat die NSDAP gewählt, weil er sich von ihr Vorteile versprach und die meisten es taten. Diese „meisten" sind heute ein gespenstischer Reigen, von lebendigen Toten, da es sie nie gegeben hat. Wer Hitler wählte, tat es im Grunde nur deshalb, weil es eben „die meisten" taten. Das ist spukhafter als der beste Geisterfilm: Der Nominelle ist der NSDAP beigetreten, weil er sich davon Vorteile versprach und „die meisten" es taten. Er brüstet sich mit dieser Begründung, die ihm dann schließlich zur Entnazifizierung verhilft, und er ist stolz darauf, nur Mitläufer gewesen zu sein, denn er betrachtet es als persönliche Ehre, als Glorifizierung seiner entnazifizierungsreifen Person, daß er nur Mitglied wurde, weil er sonst seinen Posten verloren hätte. Beinahe fühlt er sich als Opfer des Faschismus und schwört heilige Eide, daß er niemals auch nur eine flüchtige Sekunde „dafür" gewesen ist. Das Traurigste bei dem Nominellen ist, daß er mit dieser Behauptung nicht einmal lügt, sondern die pure Wahrheit sagt. Es ist eine schreckliche Wahrheit, denn sie offenbart, daß dieser Mann weder Gesinnung noch Charakter hat. Nicht einmal eine schlechte Gesinnung und nicht einmal einen schlechten Charakter hat dieses charakterliche Neutrum, da auch sein Charakter nur nominell ist. Dieser Mann würde den Verdacht, er habe vielleicht einmal an die Ehrenhaftigkeit der Partei geglaubt) entrüstet von sich weisen, weil er nie etwas geglaubt hat, es sei denn das, sein Parteibuch könne ihm nützlich sein. Klugheit nannte er das damals. Und Klugheit nennen es heute viele.
@erikreger.bsky.socialSep 24, 2026, 10:35 AM

"Beamte, deren Vergangenheit nicht als einwandfrei betrachtet werden könne, seien nicht zu beurlauben, sondern zu entlassen..." @tagesspiegel.de #OTD 1946
"Entnazifizierung": www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
"Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Die Säuberung in Bayern
München, 23 September (DANA)
Wie der bayerische. Ministerpräsident Dr. Högner einem Pressevertreter erklärte, soll eine Untersuchung gegen diejenigen Personalreferenten der bayerischen Ministerien eingeleitet werden, die sich geweigert haben, politisch Verfolgte bevorzugt vor ehemaligen Pgs zu behandeln. Beurlaubte Beamte der Ministerien seien, so führte Dr. Högner weiter aus, nicht berechtigt, weiter im Dienst zu erscheinen oder Aktenmaterial mit nach Hause zn nehmen. Beamte, deren Vergangenheit nicht als einwandfrei betrachtet werden könne, seien nicht zu beurlauben, sondern zu entlassen, und es dürften auch keine Arbeitsplätze für Personen freigehalten werden, die sich erst noch vor den Spruchkammern zu rechtfertigen hätten.
@erikreger.bsky.socialSep 22, 2026, 3:39 PM

"Die Politik des Wenn und Aber entspricht nicht dem Geiste des Führers und des Duce, sie ist nicht im faschistischen Stil." Aus der "DAZ" unter Chefredakteur Karl Silex, dokumentiert #OTD 1946 im @tagesspiegel.de.
Mehr zur Rubrik "Vor Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

VOR JAHREN
22. September 1940
Faschistischer Stil
Dieser Krieg ist von Anfang an in einem Maße politisch geführt und gewonnen worden, das unsere Gegner völlig überraschte. Er ist nicht die mechanische Fortsetzung des vorigen Krieges, sondern sein eigentliches Ergebnis. Die Besprechungen des Außenministers von Ribbentrdp mit dem Duce und seinem Außenminister Graf Ciano stehen wiederum ganz im Zeichen jener bewährten Potenzierung des militärischen Vorgehens mit dem politischen Handeln, die der Kriegführung der Achsenmächte überall zu eigen ist. Den Mittelmächten des vorigen Krieges war niemals die unerhörte Chance gegeben, von einem befriedeten Kontinent aus die Entscheidungsschlacht gegen einen Feind so zu führen, daß jeder Schlag eine Lebensader trifft. Das ist heute der Vorteil der deutsch-italienischen totalen Kriegsführung gegen England. Die Politik des Wenn und Aber entspricht nicht dem Geiste des Führers und des Duce, sie ist nicht im faschistischen Stil. Wohl aber ist die Erwartung, daß Hitler und Mussolini aus der gegebenen Lage stets die äußerste Konsequenz zu ziehen wissen, nie enttäuscht worden.
(Max Clauß in der "Deutschen Allgemeinen Zeitung")
@hesselmann.bsky.socialSep 21, 2026, 10:51 AM

Es wird kompliziert, "nennen wir es vorerst Rheinland-Pfalz". @tagesspiegel.de #OTD 1946.
Mehr zur Nachkriegsdebatte um die kommenden Bundesländer: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Alle Folgen: "Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Der Nordteil der französischen Zone, jedoch ohne das vergrößerte Saargebiet, ist durch eine Verordnung des französischen Oberkommandierenden, General Koenig, zu einem Land zusammengefaßt worden, dessen Namen die Verordnung nicht nennt und zu dessen Hauptstadt sie Mainz,bestimmt. Bestandteile des neuen Landes — nennen wir es vorerst Rheinland-Pfalz — sind die früheren preußischen Regierungsbezirke Trier und Koblenz sowie ein schmaler' Gebietsstreifen der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau mit Bad Ems (Unterlahnkreis) und St. Goarshausen, die Provinz Rheinhessen des ehemaligen Freistaates Hessen und der ehemalige bayerische Regierungsbezirk Pfalz, ohne die ans Saargebiet abgetretenen. Kreise Homburg und St. Ingbert. Der Flächeninhalt des Landes beträgt 19 744 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl rund 2,7 Millionen.
@erikreger.bsky.socialSep 21, 2026, 10:41 AM

Erinnern an Karl Marx mit französischer Hilfe, @tagesspiegel.de #OTD 1946.
Mehr #Tagesspiegel80: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

Wiederaufbau des Karl-Marx-Hauses In Trier. Der Leiter der französischen Sozialistischen Partei, Léon Blum, hat sich bereiterklärt, das Amt des Präsidenten des „Internationalen Ausschusses für den Wiederaufbau des Geburtshauses von Karl Marx und des Karl-Marx- Museums in Trier" zu übernehmen. (DPD)
@erikreger.bsky.socialSep 21, 2026, 9:10 AM

Ungültige Stimmen, infrage gestellte Wahl, aufgelöste Ortsgruppe, @tagesspiegel.de #OTD 1946.
Mehr #Tagesspiegel80: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

Wahlproteste in der russischen Zone. In einigen Gemeinden der russischen Zone wird eine Wiederholung der Kommunalwahl gefordert. So hat die SEP in Platkow (Kreis Lebus), wo die CDU mit 39 Stimmen Mehrheit siegte, eine neue Wahl beantragt. Proteste liegen auch vor in Brügge (Ostpriegnitz) mit 128 ungültigen und 62 SEP-Stimmen und in Telschow (Ostpriegnitz) mit 135 ungültigen und 35 SEP-Stimmen. In Groß- und Klein-Barnim löste sich am Vorabend der Wahl die CDU-Ortsgruppe auf und zog ihre Liste zurück. Neben 84 Stimmen für die SEP wurden hier 125 ungültige Stimmen abgegeben. (DPD)
@erikreger.bsky.socialSep 21, 2026, 8:55 AM

Nazi-Propaganda dokumentiert in der Rubrik "Vor Jahren" im @tagesspiegel.de: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Alle Folgen "Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

@hesselmann.bsky.socialSep 20, 2026, 11:37 AM

Passend dazu im @tagesspiegel.de heute vor 80 Jahren, #OTD 1946. #Tagesspiegel80 bsky.app/profile/erik...

@erikreger.bsky.socialSep 20, 2026, 11:35 AM

Wichtige Frage zur Berlin-Wahl geklärt, @tagesspiegel.de #OTD 1946.
Demokratiest vor 80 Jahren: www.tagesspiegel.de/berlin/nachk...
Mehr #Tagesspiegel80: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

Wo Berlins Parlament tagen wird
Das erste Stadtparlament, das Berlin am 20. Oktober wählt, wird seine öffentliches Sitzungen im Neuen Stadthaus in der Parochialstraße abhalten, da das alte Berliner Parlament im roten Rathaus mit zerstört worden ist. Eine Gruppe von Bausachverständigen des Magistrats ist gegenwärtig mit der Aufgabe beschäftigt, im dritten Stockwerk einen Saal von 22,50 Meter Länge, 12 Meter Breite und 8,90 Meter Höhe zum Stadtverordneten-Sitzungssaal umzugestalten. Auf einer Erhöhung an der Stirnseite wird das Präsidium sitzen, und davor das Rednerpult seinen Platz erhalten. Zu beiden Seiten von Präsidium und Rednerpult befinden sich die Regierungssitze für die Vertreter der Besetzungsmächte und des Magistrats. Die rechteckige Form des Saales erlaubt nicht die in Parlamenten übliche segmentartige Anordnung der Saalplätze für die Parteien. Von rechts nach links werden daher die Fraktionen gerade Reihen von vorn nach hinten besetzen. Die Rückfront des Saales wird mit einer Empore für etwa hundert Publikumsplätze überbaut. Insgesamt wird der Saal rund 300 Plätze aufweisen. Für das Präsidium der Stadtverordnetenversammlung werden, gleichfalls im dritten Stock, einige Zimmer reserviert, während die Fraktionen sich für gelegentliche Beratungen mit Leihzimmern begnügen müssen, denn der Raum im Neuen Stadthaus ist sehr beengt.
@erikreger.bsky.socialSep 20, 2026, 11:05 AM

"Der Minister wies auf die personellen Schwierigkeiten hin, da nach dem Befreiungsgesetz nur völlig unbelastete Personen eingestellt werden dürften, die in der heutigen Zeit selten seien", @tagesspiegel.de #OTD 1946.
Mehr über "Entnazifizierung": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Politische Säuberung
in Württemberg-Baden
Stuttgart, 19. September (DANA)
Der Minister für politische Befreiung in Württemberg-Baden, Gottlob Kamm, führte auf einer Pressekonferenz aus: „Wir sind bei der Militärregierung vorstellig geworden, keine Spruchkammern in den Interniertenlager n zu errichten, denn es widerspricht dem Sinn des Gesetzes, wenn die Internierten, meistens die höchsten Funktionäre der Nationalsozialisten, hinter verschlossenen Türen verurteilt werden,
während die Fälle der kleinen Pgs in aller Oeffentlichkeit verhandelt werden." Der Minister wies auf die personellen Schwierigkeiten hin, da nach dem Befreiungsgesetz nur völlig unbelastete Personen eingestellt werden dürften, die in der heutigen Zeit selten seien, Fehlurteile kämen am häufigsten bei Spruchkammern vor, in denen nur Laien tätig seien. Eine besondere Inspektionsabteilung werde die Urteile überprüfen. In Württemberg-Baden seien 10 500 männliche und 2000 weibliche Internierte von den deutschen Behörden übernommen worden. Es sei die Aufgabe der Presse, das Befreiungsgesetz populär zu machen, da die Bevölkerung zum großen Teil schon wieder vergessen habe, was sich in den letzten zwölf Jahren abspielte.
@erikreger.bsky.socialSep 20, 2026, 8:40 AM

"Man muß das Gebilde Europa oder wenigstens soviel wie möglich davon wiederherstellen und ihm eine Struktur geben, unter der es in Frieden, Sicherheit und Freiheit leben kann. Wir müssen eine Art Vereinigter Staaten von Europa schaffen." Winston Churchill, @tagesspiegel.de #OTD 1946. #Tagesspiegel80

Churchill fordert „Vereinigte Staaten von Europa"
„Ich möchte heute zu Ihnen über die Tragödie Europas sprechen", begann Churchill am Donnerstag seine Rede über europäische Fragen, die er zum Abschluß seines Ferienaufenthaltes in der Schweiz in der Züricher Universität hielt.
„Dieser edle Kontinent", fuhr der ehemalige britische Ministerpräsident fort, „setzt sich aus den schönsten und kultiviertesten Gebieten der Erde zusammen, die sich eines gemäßigten Klimas erfreuen. (...) Wenn es einmal ein Europa gäbe, in dem alle an dem gemeinsamen Erbe teilhaben könnten, dann könnten sich seine drei- oder vierhundert Millionen Bewohner eines grenzenlosen Glücks, Wohlstandes und Ruhmes erfreuen. Einige der kleineren Nationen haben sich bereits wieder gut erholt, aber in weiten Gebieten leben Massen gequälter, hungriger und verstörter Menschen in den Ruinen ihrer Städte und Häuser und blicken zum dunklen Horizont, ob sich nicht wieder irgendeine Art neuer Tyrannei oder neuen Terrors nähere. (...) Das ist alles, was die Europäer in so vielen alten Staaten und Nationen, was die germanischen Völker erreicht haben, dadurch, daß sie einander zerfleischten und weithin Schrecken verbreiteten. In der Tat, hätte nicht die große Republik jenseits des Atlantischen Ozeans schließlich festgestellt, daß der Ruin oder die Versklavung Europas ihr eigenes Schicksal mitbestimmen werde, hätte sie nicht ihre Hand zu Hilfe und Führung ausgestreckt, so wären dunkle Zeiten mit all ihrer Grausamkeit und ihren Schrecken zurückgekehrt.
Es gibt jedoch ein Heilmittel, das (...) alles wie durch ein Wunder verändern und in wenigen Jahren ganz Europa oder den größten Teil Europas so frei und glücklich machen würde, wie es die Schweiz heute ist. (...) Man muß das Gebilde Europa oder wenigstens soviel wie möglich davon wiederherstellen und ihm eine Struktur geben, unter der es in Frieden, Sicherheit und Freiheit leben kann. Wir müssen eine Art Vereinigter Staaten von Europa schaffen. (...)
@erikreger.bsky.socialSep 19, 2026, 11:56 AM

Wie der @tagesspiegel.de 1946 über "Entnazifizierung" berichtete: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Alle Folgen "Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

@erikreger.bsky.socialSep 19, 2026, 11:56 AM

"Schmalstich, der seit 1. Mai 1933 Pg war, angeblich um eine Etats-Anstellung an der Musikhochschule zu erhalten, wurde von der Kommission unter anderem ein Notenheft ,Der Tag von Potsdam' vorgehalten, das von ihm im Fragebogen ,vergessen' worden war." @tagesspiegel.de #OTD 1946 #Tagesspiegel80

Professor Schmalstich abgelehnt
Der Antrag auf Entnazifizierung des Dirigenten und Komponisten Professor Clemens Schmalstich, mit dem sich die I. Kammer zur Entnazifizierung der Kunstschaffenden am Mittwoch zu befassen hatte, wurde von der Kommission abgelehnt. Schon zu Beginn der Verhandlung ergaben sich zwischen den Aussagen der Appellanten und den von ihm ausgefüllten Fragebogen der Militärregierung erhebliche Abweichungen. Während Professor Schmalstich seine politische Indifferenz wiederholt betonte, war aus dem zahlreichen Aktenmaterial nachzuweisen, daß der Appellant im NS-Dozentenbund und im Kampfbund für Deutsche Kultur eine mehr als nominelle Rolle gespielt haben muß. Er war — dies geht aus eigenen Schreiben an prominente Parteistellen und aus Fragebogen während dieser Zeit hervor — für den Posten eines Stellvertretenden Hochschul-Gruppenführers im NS-Dozentenbund vorgesehen und fungierte außerdem als „Mitarbeiter in der Kanzlei des Führers" sowie als Referent des Auslandsamtes der Dozentenschaft. Schmalstich, der seit 1. Mai 1933 Pg war, angeblich um eine Etats-Anstellung an der Musikhochschule zu erhalten, wurde von der Kommission unter anderem ein Notenheft „Der Tag von Potsdam" vorgehalten, das von ihm im Fragebogen „vergessen" worden war. Ohne daß die Entlastungszeugen zu Worte zu kommen brauchten, wurde die Verhandlung gegen Professor Schmalstich abgebrochen und sein Antrag wegen teils fahrlässig, teils bewußt unwahrer Angaben abgelehnt. Die Entscheidung über das Vergehen des Appellanten gegen die Verordnung der Militärregierung liegt nicht bei der Kommission. Dem Appellanten steht das Recht zu, bei der Alliierten Militärregierung Einspruch zu erheben.
@hesselmann.bsky.socialSep 19, 2026, 11:39 AM

"Sollte man nicht vielmehr jede Gelegenheit benutzen, den Bürgern, die sich selten auf den theoretischen Wert der Gesetze verstehen, bei deren Ausübung zu zeigen, wie nützlich sie sind?" Ludwig Börne, @tagesspiegel.de #OTD 1946.
Kultur und Zitate #Tagesspiegel80: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

Wie lange noch?
Wenn irgendeine Regierunq geheimnisvoll verfährt, so ist dies das Traurigste nicht — das Traurigste wäre, wenn sie das Bedürfnis fühlte, so zu verfahren. Wenn bestehende und bekannte Gesetze in gegebenen Fällen nach voraus bestimmten Regeln angewendet werden, wozu täte dann Verschwiegenheit der Beamten not? Sollte man nicht vielmehr jede Gelegenheit benutzen, den Bürgern, die sich selten auf den theoretischen Wert der Gesetze verstehen, bei deren Ausübung zu zeigen, wie nützlich sie sind? Wozu jener Hokuspokus und aller sonstiger Schnickschnack, dem man in dem Treiben der Beamten so oft begegnet? Man muß denjenigen Teil der Regierung, der heilkünstlerisch verfährt und die Schärfe des wundärztlichen Messers wie die Bitterkeit der Arzneien nicht erlassen kann, von demjenigen unterscheiden, der die Lebensordnung der Bürger regelt und sich nur der Hausmittel bedient. Aber in einer deutschen Amtsstube riecht alles nach der Apotheke. Tritt man hinein, so geschieht von zwei Dingen eins. Entweder man ist unerfahren, und dann fühlt sich das Herz wie zugeschnürt über diese ängstliche Stille, diese Grämlichkeit der Beamten und ihr geisterartig hohles und gefühlloses Reden. Oder man kennt die Welt, und dann lächelt man nur allzu viel, weil man nur allzu gut weiß, daß diese finsteren Götter so unerbittlich nicht sind. In dem einen Falle geht die Liebe, in dem anderen die Achtung verloren.
Ludwig Borne
(1786—1837. Aus den Fragmenten)
@erikreger.bsky.socialSep 19, 2026, 10:14 AM

"Und doch hat Nurmi noch einen Rekord, den ihm vorläufig auch niemand streitig machen dürfte: der Gewinn von fünf Olympischen Goldmedaillen bei einem Olympia." @tagesspiegel.de #OTD 1946
Mehr #Tagesspiegel80: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

Der Rekord aller Rekorde
Als der finnische Meisterläufer Paavo Nurmi vor 25 Jahren in Stockholm seinen ersten Weltrekord aufstellte — 10 km in 30:40,2 —, setzte die Sieges- und Rekordserie eines Athleten ein, die bis heute noch ohne Vergleich ist. Von 1500 m bis 20 000 m beherrschte Nurmi alle Laufstrecken und lief einige Dutzend Weltrekorde. Doch auch diese Rekorde waren nicht von ewiger Dauer. Neue Rekordläufer tauchten auf. Begünstigt von der unaufhaltsam fortschreitenden Entwicklung der  Lauftechnik und von neuen Trainingsmethoden konnten den Leistungen des Finnen noch bessere entgegengesetzt werden, so daß im Laufe der Jahre sämtliche Nurmi-Weltrekorde — der letzte 1944 — ausgelöscht wurden. Und doch hat Nurmi noch einen Rekord, den ihm vorläufig auch niemand streitig machen dürfte: der Gewinn von fünf Olympischen Goldmedaillen bei einem Olympia. Das war 1924 in Paris. Man muß diese großartige Leistung als den stolzesten Rekord eines Athleten bezeichnen. Damals holte Numi über 1500 und 5000 m — wobei beide Endläufe innerhalb einer knappen Stunde entschieden wurden — neue olympische Rekorde heraus. Er gewann die Goldmedaille im 10-km-QuerfeIdein und gehörte außerdem der siegreichen finnischen Ländermannschaft im Crosscountry und 3000-m-Hindernislauf an. Der Finne ist neunfacher Olympiasieger, denn je zwei weitere Goldmedaillen fielen ihm 1920 in Antwerpen und 1928 in Amsterdam zu. Nurmi steht damit zahlenmäßig an der Spitze aller Olympiasieger.
@erikreger.bsky.socialSep 19, 2026, 9:39 AM

"Deshalb sieht das deutsche Volk mit größter Ruhe der weiteren Entwicklung der Schlacht um Stalingrad entgegen." Berliner Morgenpost #OTD 1942, @tagesspiegel.de 1946
"Vor Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
"Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

VOR JAHREN
19. September 1942
Die verwünschte Ruhe
Während die Welt nach wie vor unter dem Eindruck der letzten großen Erfolge steht, geht die Schlacht um Stalingrad mit unerbittlicher Härte weiter. Im gestrigen Wehrmachtsbericht stellte das Oberkommando der Wehrmacht lediglich fest, daß „weitere bedeutende Geländegewinne" erzielt worden seien. So wortkarg diese FestStellung auch ist, so verbirgt eich dennoch dahinter ein gewaltiges Kampfgeschehen. Darüber hinaus verrät aber dieser eine Satz, daß entscheidende Ereignisse bevorstehen, denn im bisherigen Kriegsverlauf hat das Oberkommando der Wehrmacht, wenn es sich aus militärischen Gründen eine freiwillige Schweigepflicht auferlegt hat, stets das deutsche Volk und mit ihm die Welt überrascht. Deshalb sieht das deutsche Volk mit größter Ruhe der weiteren Entwicklung der Schlacht um Stalingrad entgegen.
(Aus der Berliner Morgenpost)
@erikreger.bsky.socialSep 19, 2026, 8:13 AM

Neukölln 1946, @tagesspiegel.de #OTD.
Mehr #Tagesspiegel80: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

„Kampf dem Antisemitismus"
Et. Berlin, 18. September
Unter der Devise „Kampf dem Antisemitismus" hatte der Bezirksverband Neukölln der LDP zu einer öffentlichen Kundgebung eingeladen, auf der Redner der verschiedensten Parteien und Organisationen zu Worte kamen. Als einer der Hauptreferenten berichtete Julius Meyer vom Hauptausschuß „Opfer des Faschismus" erschütternde Einzelheiten vom Leidensweg der Juden. Walter Lefèbre wandte sich gegen den neu aufflammenden Antisemitismus, der sich bereits bis zur Schändung jüdischer Friedhöfe gesteigert hat. Die Teilnehmer der Versammlung folgten seinen Worten mit Bewegung und Empörung. Als praktisches Ergebnis der Kundgebung wurde ein überparteilicher „Ausschuß Kampf dem Antisemitismus" gegründet.
@erikreger.bsky.socialSep 18, 2026, 1:41 PM

Endlich wieder "Wir schlagen vor", #OTD 1946 im @tagesspiegel.de.
Mehr über die kleine konstruktive Berlin-Rubrik: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Alle Folgen "Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

WIR SCHLAGEN VOR
Daß die Straßenschilder und Hausnummern wieder deutlich lesbar angebracht werden.
Daß die Treppen der U- und S-Bahnhöfe besser beleuchtet werden.
Daß auf den S-Bahnhöfen gut sichtbare Richtungsschilder angebracht werden.
Daß der Autobus B von Frohnau bis zur Seestraße wieder in Betrieb genommen wird.
Daß die Straßenbahnlinie 1 vom Hackeschen Markt weiter nach dem Osten fährt.
Daß die Straßenbahnlinie 68 wieder bis Bahnhof Waidmannslust fährt.
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