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@erikreger.bsky.socialSep 29, 2026, 1:38 PM

"kein Gegenargument, es mochte noch so beweiskräftig sein, fand Gehör" @tagesspiegel.de #OTD 1946 #Tagesspiegel80

Der Faschismus stellte in den Mittelpunkt seines Wirkens eine Ideologie, die Rassentheorie, und ein Ziel, die Gewinnung der Macht. Lehre und Ziel wurden zum Rang unumstößlicher, geheiligter Doktrinen erhoben; kein Gegenargument, es mochte noch so beweiskräftig sein, fand Gehör. Aus dieser Ausschließlichkeit wuchsen Zwang, Gewalt, Gewaltsamkeit und Lüge. Die Rassentheorie entwürdigte den Menschen zur Kreatur; der zur Gottähnlichkeit übersteigerte Begriff des Volkes versachlichte den Menschen zu einem Objekt des Zweckes, indem er nur noch der Vermehrung des Volkes diente. Diese doppelte Fesselung an die Erde raubte dem Menschen das Gefühl seiner Würde und seine Freiheit; so wurde er unterwürfig, selbstsüchtig, beschränkt, verlogen und grausam; er stürzte in jenen moralischen Abgrund, in dem wir uns befinden.
@hesselmann.bsky.socialSep 28, 2026, 3:37 PM

"Verdächtigungen der feineren und freieren Geister", der @tagesspiegel.de zitiert #OTD 1946 Franz Mehring.
Kultur im Blatt und Zitatrubrik: www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Radikalismus ist Unfreiheit
Es gibt im öffentlichen Leben nicht leicht ärgere Jesuiten als die beschränkten und buchstabengläubischen Radikalen, die im fadenscheinigen Mantel ihrer Tugendhaftigkeit vor keinen Verdächtigungen der feineren und freieren Geister zurückscheuen, denen es gegeben ist, die tieferen Zusammenhänge des geschichtlichen Lebens zu erkennen. Marx hat es immer mit diesen gehalten, niemals mit jenen.
Franz Mehring
(1846—1919. Aus: „Karl Marx")
@erikreger.bsky.socialSep 28, 2026, 3:31 PM

"Der ehemalige braunschweigische Ministerpräsident Dietrich Klagges, der Hitler im Februar 1932 die deutsche Staatsbürgerschaft gab..." @tagesspiegel.de #OTD 1946 #Tagesspiegel80

Dietrich Klagges kommt vor ein deutsches Gericht.
Der ehemalige braunschweigische Ministerpräsident Dietrich Klagges, der Hitler im Februar 1932 die deutsche Staatsbürgerschaft gab, befindet sich seit einigen Monaten unter der Anklage in Haft, an der Ermordung von zehn Braunschweiger Arbeitern durch Angehörige der SS am 5. Juli 1933 beteiligt gewesen zu sein. Die Militärregierung hat in Aussicht gestellt, das Verfahren gegen ihn von einem deutschen Gericht durchführen zu lassen. (DPD)
@erikreger.bsky.socialSep 28, 2026, 12:23 PM

"Die wartenden Volksgenossen werden mit Musik und Massenchören sowie durch Massenfreiübungen von Arbeitsmännern unterhalten." Worüber das einst so renommierte, von Theodor Wolff geleitete "Berliner Tageblatt" nach der "Arisierung" schrieb, dokumentiert im @tagesspiegel.de #OTD 1946. #Tagesspiegel80

VOR JAHREN
28. September 1934
Inhalt des „Dritten Reiches
Der Führer und Reichskanzler begibt sich früh mit dem Flugzeug nach Goslar. Der Reichsbauernführer, Reichsminister Darré, begrüßt den Führer und die einzelnen Bauernabordnungen. Inzwischen hat seit dem frühen Morgen der Anmarsch der Teilnehmer des Erntedanktages auf dem Bückeberg begonnen. Die wartenden Volksgenossen werden mit Musik und Massenchören sowie durch Massenfreiübungen von Arbeitsmännern unterhalten. Um 15 Uhr beginnt die eigentliche Kundgebung. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler wird die Ehrenfront der Reichswehr und des Arbeitsdienstes abschreiten. Währenddessen feuert Artillerie 21 Schuß Salut. Der Führer wird dann den Mittelweg empor zur Ehrentribüne gehen. Reichsminister Dr. Goebbels eröffnet die Kundgebung. Dann wird dem Führer eine Erntekrone und ein Erntekranz überreicht In der Ebene zwischen der Weser und dem Bückeberg findet eine kombinierte Reichswehrübung statt. Dann singt ein Massenchor des Arbeitsdienstes ein Lied des Bauern. Es folgen die Ansprachen des Reichsbauernführers Darré und des Führers und Reichskanzlers.
(Aus dem „Berliner Tageblatt")
@hesselmann.bsky.socialSep 28, 2026, 9:08 AM

"Eine Relativierung, die auch heute noch bekannt klingt." www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Im „Demokratischen Forum“, in dem die Redaktion Zuschriften veröffentlichte, sowie in weiteren Gastbeiträgen fand sich neben vernünftigen und bewegenden Wortmeldungen – nicht zuletzt von Holocaust-Überlebenden selbst – auch eine solche durchaus typische Äußerung: „Ich lese von sechs Millionen ausgerotteten Juden, von fünf Millionen Sudetendeutschen, die ihrer Heimat beraubt sind, von zwanzig Millionen Toten auf den Schlachtfeldern des größten Krieges aller Zeiten, von ganzen Landstrichen, die durch eine einzige Bombe der Wüste gleichgemacht wurden.“

Eine Relativierung, die auch heute noch bekannt klingt.
@erikreger.bsky.socialSep 28, 2026, 8:25 AM

"Die Bundesländer als antifaschistische Institution": www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Alle Folgen "Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

@erikreger.bsky.socialSep 28, 2026, 8:23 AM

Historischer Hinweis zum Länderfinanzausgleich in einem Leserbrief, "Demokratisches Forum" 2026: www.tagesspiegel.de/meinung/lese...
"Meinungsfreiheit üben mit dem Tagesspiegel": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

@erikreger.bsky.socialSep 27, 2026, 4:18 PM

"Wer sich diesen Film erspart, wer ihn fürchtet, ihm aus dem Wege geht, hat kein Recht mitzusprechen, wenn es um das Neue geht." Friedrich Luft, damals Filmkritiker für den @tagesspiegel.de. #Tagesspiegel80 www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

@erikreger.bsky.socialSep 27, 2026, 2:39 PM

Geschäftliches kommt dann auch hinzu. @tagesspiegel.de #OTD 1946
Mehr über "Entnazifizierung" und deren Ausbleiben: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Alle Folgen "Im Tagesspiegel vor 80 Jahren": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Teuere Entnazifizierung
Die Polizei verhaftete den bereits vorbestraften 50jährigen Günter Herm ann aus der Lenbachstraße 13b. Er stellte Bescheinigungen aus, auf denen er sich als Verwaltungsdirektor ausgab. Er behauptete, hiermit Entnazifizierungsanträge befürworten und weiterleiten zu können. Hermann nahm Vorschüsse von mindestens 100 Mark.
@erikreger.bsky.socialSep 27, 2026, 1:33 PM

"Noch vier Tage, dann wird in Nürnberg, dessen Trümmer sich den vier Anklagedelegationen als fünfter stummer Ankläger hinzugesellen, das Urteil in dem Prozeß ,gegen Hermann Göring und andere' gesprochen werden." @tagesspiegel.de #OTD 1946
Mehr dazu www.tagesspiegel.de/kultur/gegen... #Tagesspiegel80

In Nürnberg vor der Urteilsverkündung
Nürnberg, 26. September (DPD)
Noch vier Tage, dann wird in Nürnberg, dessen Trümmer sich den vier Anklagedelegationen als fünfter stummer Ankläger hinzugesellen, das Urteil in dem Prozeß „gegen Hermann Göring und andere" gesprochen werden.
In die langen Korridore des Gerichtsgebäudes, in denen man sich auch heute noch immer verläuft, beginnt das Leben wieder zurückzukehren, das in den vergangenen drei Wochen, während das Gericht beriet, ausgestorben zu sein schien. Es war aber nur eine Scheinruhe, denn jeder wüßte, daß hinter den verschlossenen Türen der besonders abgesperrten Teile des Gerichtsgebäudes die vier Richter des Internationalen Militärgerichtes ihre Tätigkeit fortsetzten. Täglich fanden auch in diesen drei Wochen Sitzungen statt, und als die Zeit knapp wurde, kamen noch Abendsitzungen hinzu.
Während dieser Wochen mußte das Ergebnis der zehn Monat e langen Verhandlungen ausgewertet werden, deren amtliches Protokoll allein sechzehntausend Seiten füllt. Weiterhin mußten die fünftausenddreihundert Dokumente, die während der Verhandlung von der Anklage und von der Verteidigung eingereicht worden waren, sowie die Aussagen der zweihundertvierzig Zeugen, die in diesem Prozeß gehört worden waren, ausgewertet werden. Dem Gericht liegen außerdem etwa 'dreihunderttausend eidesstattliche Versicherungen vor. Dieses umfangreiche Material wird die Grundlage des Urteils bilden, das am Montag und Dienstag der kommenden Woche ausgesprochen werden soll.
Es ist vorgesehen, die Urteilsverkündung am Montag um zehn Uhr mit einer allgemeinen Würdigung der Gesamtanklage zu beginnen. Am Dienstag wird das Gericht dann den Fall jedes einzelnen Angeklagten behandeln und im Anschluß daran das Urteil aussprechen.
Ueber die angeklagten Organisationen wird das Gericht kein eigentliches Urteil fällen, sondern lediglich feststellen, ob diese Organisationen im Sinne der Anklage verbrecherisch sind oder nicht. (...)
@erikreger.bsky.socialSep 27, 2026, 10:06 AM

„Wir schlagen vor“ gab‘s gleich in der ersten Ausgabe, @tagesspiegel.de #OTD 1945: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Mehr zu der kleinen, konstruktiven Rubrik auf der Berlin-Seite: www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

@erikreger.bsky.socialSep 26, 2026, 2:33 PM

"Das ,Einst' ist Heute. Alle wissen, wie es aussieht, weil sie Goebbels gefolgt sind und ,ausgeharrt' haben." Der damals 19-jährige spätere RIAS- und SFB-Journalist Rainer Höyinck #OTD 1946 im @tagesspiegel.de.
Mehr #Tagesspiegel80: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

Den Ausgangspunkt seiner Betrachtungen bildete jeweils die „Fügung", der zu entrinnen unmöglich und die tapfer zu tragen die Pflicht des Volkes sei. „Wir haben uns die Zeit nicht ausgesucht, in der wir unsere Pflicht erfüllen müssen. Aber da wir von einer höheren Fügung hineingestellt sind, besitzen wir nur einen glühenden Ehrgeiz, in ihr zu bestehen." Es sei ja auch viel besser, statt darüber nachzudenken, gläubig und treu auf die Führung zu bauen und sie für sich denken zu lassen. Denn der Führung unterliefen keine Fehler. Ihr sei eine „fast immer zutreffende richtige Analysierung der militärischen und politischen Konstellation und eine fast ans Unwahrscheinliche grenzende Sicherheit in der Beurteilung der allgemeinen Weltlage" zu eigen. (...) Friedrich der Große (...) diente ihm als Beispiel dafür, daß den „standhaften Herzen" vom Schicksal der Sieg auch in diesem Kriege nicht verwehrt werden könne. Die angeblichen „Vernichtungsabsichten der Feinde" schilderte er, als hätte das nationalsozialistische Deutschland niemals wirkliche Vernichtungsabsichten gehegt und betätigt. Nach seiner Wortkunst erschien es unwiderleglich richtig, nur noch die stets „kurze Zeit" auszuhalten, bis man „über den Berg" sei, noch einmal alle Kräfte zusammenzufassen und vor allem nicht nachzulassen im Glauben an die „geschichtliche Sendung" des „Führers", an das Genie des „größten Feldherrn aller Zeiten" und an die Zwangsläufigkeit, mit der aus dem schon 1943 und 1944 (...) sichtbaren totalen Chaos (dies sagte Goebbels allerdings nicht) der glorreiche Sieg erwachse. „Es bleibt unserem Volke nichts anderes übrig, als die Entwicklung dieses Krieges abzuwarten, tapfer zu kämpfen, nicht nachgiebig, sondern trotzig zu werden." Der nächste Satz begann zumeist: „Und dann wird auch einst..." Das „Einst" ist Heute. Alle wissen, wie es aussieht, weil sie Goebbels gefolgt sind und "ausgeharrt" haben.
@erikreger.bsky.socialSep 26, 2026, 2:05 PM

"Für alles bisher Geschehene sei nicht die SPD, sondern das 'Dritte Reich' und die Politik der Männer verantwortlich, die durch ihre Methoden dieses Regime ermöglichten." @tagesspiegel.de #OTD 1946
Mehr über Kurt Schumacher in unserer Zeitung: www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Dr. Schumacher sprach in Aachen. Auf einer Kundgebung in Aachen erklärte Dr. Schumacher, es seien noch keine Anzeichen einer echten inneren Umkehr des deutschen Volkes vorhanden. Man müsse den Mut haben, erst den Besetzungsbehörden und dann dem deutschen Volk zu sagen, was falsch gemacht, worden sei. In Deutschland gebe es keinen Kampf um das Christentum, da dieses nirgends bedroht sei. Die große Auseinandersetzung zwischen CDU und SPD gehe vielmehr um den Sozialismus, da die CDU die Verkörperung des alten Besitzbegriffes sei. Für alles bisher Geschehene sei nicht die SPD, sondern das „Dritte Reich" und die Politik der Männer verantwortlich, die durch ihre Methoden dieses Regime ermöglichten. (DPD)
@erikreger.bsky.socialSep 26, 2026, 12:33 PM

"Wenn Sozialismus Absage an den kapitalistischen Egoismus und Bekenntnis zur stärksten Bindung gegenüber der Gemeinschaft bedeutet, dann sind wir vorbehaltlose Sozialisten." CSU-Chef Josef Müller ("Ochsensepp") #OTD 1946 im Tagesspiegel.
Text hier: www.tagesspiegel.de/downloads/au... #Tagesspiegel80

Aus sozial ist sprachlich Sozialismus entstanden, ein Wort, das an Vieldeutigkeit seine Konkurrenten im Kampffelde des politischen Wortschatzes noch schlägt. Es kann eine Wirtschaftsordnung und eine soziale Gesinnung bedeuten, ein philosophisches System und eine der Geschichte unterlegte Doktrin. Es kann einen Aufruf an stärkste ideelle Kräfte darstellen und letzte materialistische Verflachung. Es schillert in so vielen Farben, daß kein Verantwortungsbewußter es ohne Einschränkung akzeptieren, keiner es uneingeschränkt ablehnen kann. Innerhalb der Union wird darüber diskutiert, ob dieses Wort in der Prägung vom „christlichen Sozialismus" in die Liste der politischen Forderungen aufzunehmen sei. Die Meinungen sind noch geteilt, nicht weil ernstliche Gegensätze in der Sache bestünden, sondern eben wegen der Unklarheit dieses historisch durch die verschiedensten Ideenassoziationen belasteten Begriffes. Wenn Sozialismus Absage an den kapitalistischen Egoismus und Bekenntnis zur stärksten Bindung gegenüber der Gemeinschaft bedeutet, dann sind wir vorbehaltlose Sozialisten.
@erikreger.bsky.socialSep 26, 2026, 10:17 AM

Historikerin Heike Krösche: "Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, dass der @tagesspiegel.de die behauptete Unwissenheit der deutschen Bevölkerung deutlich zurückwies und deren Opferperspektive ablehnte." www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

@erikreger.bsky.socialSep 26, 2026, 10:17 AM

Wie der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zu Ende geht, @tagesspiegel.de #OTD 1946.
Über unsere Zeitung und Nürnberg: www.tagesspiegel.de/kultur/gegen...
Über Göring in Nürnberg: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...
Über Speer in Nürnberg: www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Nürnberg, 25. September (DANA)
Die Urteilsverkündung im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozeß wird wie am Mittwoch bekanntgegeben wurde, zwei Tage in Anspruch nehmen. Am 30. September, um zehn Uhr vormittags, wird das Internationale Militärtribunal mit einem Ueberblick über den gesamten Prozeß beginnen, und am 1. Oktober wird voraussichtlich das Urteil gegen die einundzwanzig Angeklagten und die sechs angeklagten Organisationen verkündet werden.
München, 25. September (AP)
Der alliierte Kontrollrat hat angeordnet, daß diejenigen Angeklagten des Nürnberger Prozesses, die zum Tode verurteilt werden, am fünfzehnten Tage nach der Urteilsverkündung hingerichtet werden sollen. In einer ausführlichen Erklärung bestimmt der Kontrollrat, daß die Hinrichtung „unter Ausschluß der Oeffentlichkeit" durch Hängen oder durch die Guillotine erfolgen soll. Falls der fünfzehnte Tag ein Sonntag sein sollte, wird die Hinrichtung an dem folgenden Tage vorgenommen werden. Wenn die Urteilsverkündung am Dienstag, dem 1. Oktober, erfolgt, wird der fünfzehnte Tag Mittwoch, der 16. Oktober, sein. Die Verurteilten werden vier Tage Zeit für eine Berufung an den alliierten Kontrollrat haben. Eine Berufung ist nur gegen das Strafmaß gestattet, da Artikel 26 der Gerichtsordnung des Internationalen Gerichtshofes festlegt, daß seine Entscheidung, ob schuldig oder unschuldig, endgültig und nicht revisionsfähig ist.
@hesselmann.bsky.socialSep 26, 2026, 9:29 AM

Wie herankommen an "die verstörten oder verstockten Menschen unserer Tage", darüber machte sich der @tagesspiegel.de schon vor 80 Jahren Gedanken, #OTD 1946.
Mehr zum Dokumentarfilm "Die Todesmühlen": www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

Tagesspiegel am 26. September 1946

Die in sich differenzierte, aber grundsätzlich gleichgerichtete Abwehrstellung der weitaus meisten Deutschen gegen filmische Dokumente nach Art der „Todesmühlen“ fordert zu sehr nachdenklich stimmenden Rückschlüssen heraus. Das Problem der Publikumspsychologie, das heute nicht intensiv genug studiert werden kann, schob sich in den Vordergrund als entscheidende Voraussetzung für die Anlage und die Wirkungsmöglichkeiten kommender deutscher Dokumentarfilme. Mögen diese vom Wochenschau-Stil oder von Spielfilm-Elementen ausgehen, sie dürfen weder bußpredigerhaft sein, noch mit dem Zeigefinger des Oberlehrers vor die verstörten oder verstockten Menschen unserer Tage hintreten.
@erikreger.bsky.socialSep 25, 2026, 3:49 PM

"Journalistische Objektivität in allen Ehren, eine Presse, die nicht in jeder Zeile, jedem Wort, jedem Komma ihre eigene, freie, selbstbewußte Meinung sagt, ist für uns nichts wert." @tagesspiegel.de #OTD 1946 "aus der britischen Zone zugegangen" www.tagesspiegel.de/downloads/au... #Tagesspiegel80

Journalistische Objektivität in allen Ehren, eine Presse, die nicht in jeder Zeile, jedem Wort, jedem Komma ihre eigene, freie, selbstbewußte Meinung sagt, ist für uns nichts wert. Ein Staatsvolk, das drei Jahrhunderte lang die politischen Schulen durchlaufen hat, mag sich seine Meldungen selber auslegen, seine Kommentare selber ausdenken und die Leitartikel im Hyde-Park oder am Teetisch aufsagen; ein Volk, das erst das politische Reifezeugnis erwerben will, muß das Wort des Lehrers hören, die Erklärung hinnehmen, die tiefere Einsicht und das bessere Wissen vernehmen. Und je vielstimmiger der Chor, je reicher die Instrumentierung, desto schneller und gründlicher wird es lernen. Der Leser erwartet mit Recht unsere Vorschläge, mit denen wir der geistigen Not zu Leibe rücken, der Gefahr der Isolierung, der Zersplitterung, der Einseitigkeit und der verfehlten Propaganda begegnen wollen. Es soll der Diagnose das Rezept beigegeben sein.
@hesselmann.bsky.socialSep 25, 2026, 9:29 AM

Gegen das Wegsehen und Leugnen: In dieser Folge "Im Tagesspiegel vor 80 Jahren" geht es um den Film "Die Todesmühlen", an dem Billy Wilder maßgeblich beteiligt war und über den Friedrich Luft für den @tagesspiegel.de schrieb. www.tagesspiegel.de/gesellschaft... #Tagesspiegel80

@erikreger.bsky.socialSep 24, 2026, 3:26 PM

"Von der Wahl ausgeschlossen sind diejenigen ehemaligen Nationalsozialisten, die in der Wahlordnung aufgezählt sind." @tagesspiegel.de #OTD 1946
Mehr zur Berlin-Wahl vor 80 Jahren als "Demokratietest": www.tagesspiegel.de/berlin/nachk...
Mehr #Tagesspiegel80: www.tagesspiegel.de/gesellschaft...

Was der Wähler wissen muß
Benachrichtigungskarten — Wählerlisten — Einspruch beim Wahlamt
In diesen Tagen werden den Berlinern durch die Post Karten zugestellt, auf denen vermerkt ist, in welchem Abstimmungsbezirk und unter welcher Nummer sie auf der Wählerliste eingetragen sind. Bei früheren Wahlen gab es diese Karten nicht. Jeder mußte sich selbst vergewissern, ob er auf der Liste stand. Jetzt brauchen sich alle, die eine Karte bekommen, diese Mühe nicht zu machen. Wenn sie am Wahltag mit einem gültigen Personalausweis und der Karte in ihrem Wahllokal erscheinen, können sie ihre Stimme abgeben.
Die Wahlämter der Bezirksverwaltungen stellten die Wahllisten nach den Angaben der Polizei, der Wohnungs- und Ernährungsämter zusammen. Wahlberechtigt ist nur der, der seit dem 20. Juli 1946 in Berlin wohnberechtigt ist — und Lebensmittelkarten erhält. Wer längere Zeit verreist ist und deshalb vorübergehend in Berlin keine Lebensmittelkarten bezieht, muß nachweisen können, daß dies nur eine Unterbrechung seines ständigen Aufenthaltes in Berlin bedeutet. Das Wahlamt mußte auch die Strafregisterauszüge und die Listen der Pflegschaften berücksichtigen, da nach der Wahlordnung, Ziffer 6, Personen, die wegen geistiger Gebrechen unter Aufsicht oder Vormundschaft stehen oder sich in Anstalten befinden, nicht wählen dürfen. Wer auf Grund eines gerichtlichen Urteils die bürgerlichen Ehrenrechte verloren hat, darf ebenfalls nicht wählen, wobei die Dauer des Verlustes der Ehrenrechte nach Paragraph 36 des Strafgesetzbuches von dem Tage an rechnet, an dem die gleichzeitig ausgesprochene Freiheitsstrafe verbüßt, erlassen oder verjährt ist. Politisch Verurteilte, denen während des Hitlerregimes die Ehrenrechte abgesprochen wurden, können selbsverständlich (sic) wählen.
Von der Wahl ausgeschlossen sind diejenigen ehemaligen Nationalsozialisten, die in der Wahlordnung aufgezählt sind. (...)
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